Boards, Bananen, Baumwolle - alles fair?
Kaffee, Blumen oder Bananen.
Viele dieser Produkte findet man mitlerweile ausgezeichnet mit dem sogenannten Fairtrade-Siegel in den Regalen der Supermärkte.
Dies gewährleistet unter anderem, dass die Produkte unter menschenwürdigen und umweltschonenden Bedingungen produziert wurden.
Wie steht es um die Surfindustrie?
Legt sie Wert auf gerechte Arbeitsbedingungen in Übersee und einen fairen Handel?
Burkhard Middendorf, Vorsitzender der United Association for moral globalisation (UNAMG) setzt sich für eine sozialverträgliche Wassersportwirtschaft ein.
Mit der Unterschrift bei UNAMG bekennen Produzenten, Ihre Bereitschaft zur Sozialverträglichkeit.
Burhkard gibt Auskunft im 3beaufort- Interview:
Wie kamst du auf die Idee zu UNAMG?
B.M.: Ich ärgere mich häufig über stark polarisierende Äußerungen wie „Alles China-Müll“ oder „Preiswerte Produkte aus Asien werden alle mit Kinderarbeit hergestellt.“ Natürlich haben Hersteller, Marken und Dienstleister mit ausbeutenden, menschenverachtenden und Umwelt schädigenden Produktionsbedingungen geringere Produktionskosten – jedoch ist der Umkehrschluss, dass man beim Kauf von teuren Produkten die sozialverträgliche Industrie fördert und Qualität einkauft, ein Trugschluss. Wie sollen denn unpopuläre kleine Marken im Wettbewerb bestehen? Mit hohen Preisen werden sie nicht nachgefragt, weil sie unbekannt und teuer sind. Mit niedrigen Preisen werden sie mit Verweis auf schlechte Qualität und Ausbeutung abgelehnt, während etablierte Marken eine Blanko-Erlaubnis haben, das zu machen, was sie wollen.
Hafen von Sri Lanka. Photo: © Dominic Sansoni / World Bank
Man erinnere sich noch an die fristlose Kündigung einer gesamten Segelfabrik-Belegschaft in Sri Lanka, die es sich erlaubt hatte, um menschenwürdige Arbeitsbedingungen zu bitten. Das war kein kleiner preiswerter Segelhersteller, sondern ein hochpreisiger Markenanbieter, der in Deutschland einer der Marktführer ist.
Wie soll ein Windsurfer also mit gutem Gewissen sein Material einkaufen? Die erste Idee war eine Autorität, die regelmäßige Kontrollen durchführt. Das ist aufwändig und teuer. Daher also diese abgespeckte Version mit der freiwilligen Selbstverpflichtung der Unternehmen bei UMAG. Damit kann der Sportler zumindest schon mal erkennen, wer sich bei der Produktion mit sozialen Fragen beschäftigt, und wem Sozialverträglichkeit ein Anliegen ist. Die Unterschriftensammlung dient dazu, den Herstellern zu verdeutlichen, dass nicht nur ein cooles Image, gutes Design, teure Teamfahrer und technisch hochwertige Produkte Verkaufsargumente sind.
Hast du Einblicke in die Surfindustrie, gibt es bereits Unternehmen, die sich deiner Meinung nach vorbildlich verhalten?
Ezzy sail in action, pic:ramainuk
B.M.: Ich bin Teilhaber bei einem deutschen Surfshop und kenne die Branche daher ein wenig.
Man erfährt zumindest auch, wer wo produziert.
Die Masten kommen heutzutage fast alle aus Italien und zumindest teilweise noch aus Finnland, Segel, Zubehör und Gabelbäume jedoch kommen fast ausschließlich aus Asien (Sri Lanka, China, Taiwan).
Die meisten Board-Rohlinge kommen vom Marktführer aus Thailand, und auch dort ist der Ruf in Bezug auf die Sozialverträglichkeit der Produktion nicht der Beste. Es gibt jedoch auch Unternehmen, die sich öffentlich zur good practice bekennen und ihre Produktionsbedingungen offen legen. Dazu zähle ich beispielsweise die Ezzy Sails Fabrik in Sri Lanka. Bei Ezzy lassen sich die social benefits auf deren Webseite nachlesen. Auch bei Aerotech Sails weiß man genau, wo und unter welchen Bedingungen produziert wird. Aerotech Deutschland hat sich bereits mündlich zu den UNAMG Prinzipien bekannt und erörtert gerade eine Mitgliedschaft.
Wird noch irgendwo in Deutschland produziert?
Besonders in den 80ern boomte die Hifly-Produktion in Deutschland
B.M.: Ich glaube, dass HiFly bis vor einiger Zeit in Deutschland produziert hat, zumindest die Plastikboards. Aber HiFly gibt es ja auch nicht mehr.
Bestimmt gibt es ein paar Custom-Board-Hersteller, die hier produzieren, aber mir fällt sonst momentan niemand ein. Da können meine Informationen jedoch auch lückenhaft sein. Das Problem ist, dass die Produktion von Windsurfartikeln sehr personalintensiv ist, und bei den Personalkosten ist Deutschland ja bekanntlicherweise nicht so besonders konkurrenzfähig. Von daher sind Forderungen, sich beim Wassersport wieder auf den Standort Deutschland zu besinnen, unrealistisch. Uns bleibt also nur noch die Möglichkeit, uns zumindest für sozialverträgliche und gerechte Arbeitsbedingungen in Asien einzusetzen.
Wie könnte man Prüfen, ob ein Unternehmen hält, was es mit dem Beitritt zu unamg verspricht? Oder basiert der Zutritt ausschließlich auf Vertrauensbasis?
Man könnte sicherlich ein aufwändiges und teures Zertifizierungsverfahren entwickeln, aber das ist bisher nicht geplant. Ich hoffe, dass die Unternehmen es aus Angst um ihren Ruf nicht wagen, bewusst
falsche Angaben per Unterschrift zu bestätigen. Wenn das der Fall ist, dann ist wohl ohnehin nichts mehr zu retten…
Bist du selbst in der Surfbrache tätig und wenn, hast du Einsichten über die Arbeitsweisen deiner Partner / Zulieferer?
B.M. Wie gesagt, ich bin Gesellschafter bei einem Surfshop und habe nur so viele Einsichten bei den Partnern und Zulieferern, wie diese sich öffnen. UNAMG ist noch in der Aufbauphase, aber wir werden sukzessive zunehmend den Lieferanten und Marken arbeiten, die bereit sind, UNAMG-Mitglieder zu werden. Der Verwaltungsaufwand für eine Mitgliedschaft ist minimal (ein Fax und ein Internetformular), und die Mitgliedschaft ist kostenfrei. In so fern sehe ich im Prinzip keine Hindernisse mehr für Unternehmen und Marken mit sauberer Weste.
Vielen Dank für das Interview!
KOMMENTARE

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#3
hi morpheus,
danke für den hinweis mit "orth sails". war mir im detail nicht klar. kompliment an das design deiner seite. schöner basic-style,
sea you am Stein, torsten -
#2
Oh, schon wieder ein neues Label. Bin mir nicht sicher, ob es nicht schon genug gibt? Aber besser mehr als weniger - wenn die Kooperation stimmt, kann ja mal ordentlich nach vorne losgehen. In Sachen Surfindustrie gibt es bei der "CCC" = Clean Clothes Campagne eine Menge zu lesen. Auch über die Riesen in der Branche ... schade eigentlich!
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#1
Hi Burkhard,
ich wünsch dir viel Erfolg mit deinem Label und bin gespannt, wie es weitergeht.
Gruß Torsten
